Warum wir die Altersfrage mit 70+ einfach mit Humor nehmen sollten!
Neulich hat mich mal wieder jemand nach meinem Alter gefragt. Ich habe kurz überlegt, tief Luft geholt und gesagt: „Ich bin im besten Alter – Baujahr 1953, gut eingefahren, mit leichten Gebrauchsspuren, aber der Motor schnurrt wie eine Eins!“ Allerdings habe ich keine Probleme auch direkt das Alter zu nennen.
Vor allem bei Frauen gilt die Frage „Wie alt bist du denn?“ seit Generationen als absolute Tabuzone. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass man Damen niemals nach der Zahl im Pass fragt. Aber warum ist das eigentlich so? Ist es bloße Scham, Eitelkeit – oder steckt da psychologisch viel mehr dahinter?
Ich habe mir das Thema mal mit ein wenig Abstand und einer Dosis Gelassenheit angeschaut.
Der Mythos von der „magischen Zahl“
Seien wir ehrlich: Kaum eine Zahl löst im Kopf unseres Gegenübers so schnell ein vorgefertigtes Bild aus wie das Alter. Sobald die Zahl gedruckt oder ausgesprochen ist, rattern bei vielen Menschen die Klischee-Schubladen los:
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„Ab 60 gehört man zum alten Eisen.“
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„Ab 70 macht man nur noch Betongymnastik und liest Beipackzettel.“
Kein Wunder, dass viele – und historisch bedingt besonders Frauen – diese Frage lieber gekonnt umgehen! Es ist selten Scham über das eigene Aussehen. Vielmehr ist es der verständliche Wunsch, als Mensch mit Ausstrahlung, Humor und Lebenserfahrung wahrgenommen zu werden – und nicht als reine Statistik.
Der psychologische Doppelstandard: Männlich „reif“, weiblich „alt“?
Die Soziologie hat für dieses Phänomen sogar einen schicken Begriff: den „Double Standard of Aging“.
Männer bekommen mit grauen Schläfen und ein paar Falten oft schmeichelhafte Stempel aufgedrückt – von „charismatisch“ bis „wie ein guter Wein“. Bei Frauen hingegen hat die Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg den „Wert“ stark an Jugendlichkeit gekoppelt.
Auch wenn sich zum Glück einiges wandelt: Die Angst vor unbewusster Altersdiskriminierung sitz tief. Die Frage nach dem Alter fühlt sich für viele wie eine heimliche Wertbemessung an. Und wer lässt sich schon gerne von Fremden auf einer Skala einsortieren?
Das gefühlte Alter: Die Uhr im Kopf tickt anders!
Der wichtigste Grund für die Abneigung gegen die Altersfrage ist aber ein ganz anderer: Das gefühlte Alter stimmt fast nie mit dem Pass überein.
Im Kopf und im Herzen fühlen wir uns oft wie 45 oder 50 – bereit für neue Abenteuer, Reisen oder das nächste Online-Projekt. Wenn dann jemand nach der Zahl fragt, holt einen das wie ein kleiner Eimer kaltes Wasser auf den Boden der Tatsachen zurück.
Warum sollten wir uns von einer Zahl auf einem Papier definieren lassen, wenn unser biologischer Akku und unsere Lebensfreude eine völlig andere Sprache sprechen?
Mein Fazit: Gelassenheit ist die beste Antwort
Das Alter ist am Ende nur eine Zahl – und die sagt rein gar nichts darüber aus, wie viel Neugier, Witz und Energie in einem steckt. Unbestreitbar ist aber der langjährige Erfahrungsschatz den Jüngere nicht haben können.
Wenn Sie das nächste Mal jemand nach Ihrem Alter fragt, schämen Sie sich nicht. Antworten Sie einfach mit einem Lächeln und einem krossen Spruch: „Alt genug, um es besser zu wissen – und jung genug, es trotzdem zu tun!“
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